Beleuchtete Villen der Bisate Lodge am bewaldeten Hang in Ruanda bei Abenddämmerung.

Bisate Lodge: Warum Luxus den Gorillas helfen kann

Sechs luxuriöse Villen, hohe Preise und ein wachsender Bergwald: Die Bisate Lodge in Ruanda verbindet exklusiven Tourismus mit Aufforstung und lokalen Projekten. Ihr Beispiel zeigt, wie Luxus dem Gorillaschutz helfen kann – und woran sich dieses Versprechen messen lassen muss.

Dian Fossey wollte keine Tourist*innen bei ihren Gorillas. Als Ende der 1970er-Jahre die ersten Besucher*innen nach Karisoke kamen, lehnte die Primatologin den aufkommenden Gorilla-Tourismus entschieden ab. Sie fürchtete, Menschen könnten Krankheiten übertragen, die Tiere stören und ihren Lebensraum gefährden.

Gut fünf Jahrzehnte später hat sich ausgerechnet der Tourismus zu einer wichtigen Säule des Gorilla-Schutzes entwickelt. Allerdings unter Bedingungen, die mit gewöhnlichem Massentourismus wenig zu tun haben. Ruanda setzt rund um den Volcanoes National Park auf wenige Besucher*innen, hohe Preise und strenge Regeln. Kaum ein Ort verkörpert dieses Modell deutlicher als die Wilderness Bisate Lodge.

Sechs Villen vor den Vulkanen

Die Lodge liegt nahe dem Volcanoes National Park im Nordwesten Ruandas, mit Blick auf die Vulkanberge Bisoke (auch: Visoke), Karisimbi und Mikeno. Wilderness eröffnete Bisate 2017. Die Anlage besteht aus lediglich sechs Villen, deren runde Formen und hochgezogene Dächer auf traditionelle ruandische königliche Architektur Bezug nehmen.

Bisate gehört zu den teuersten Unterkünften Ruandas. Für Oktober 2026 nennt Wilderness einen Preis von 3.795 US-Dollar pro Person und Nacht, einschließlich Mahlzeiten, bestimmter Getränke und Aktivitäten auf dem Lodge-Gelände. Das Gorilla-Permit ist darin nicht enthalten: Zum regulären Tarif kommen weitere 1.500 US-Dollar pro Person hinzu.

Das sind Preise, die zwangsläufig eine Frage aufwerfen: Was hat solcher Luxus mit Naturschutz zu tun? Die Antwort beginnt nicht in der Lodge, sondern im Wald nebenan.

Aus Ackerland wird wieder Bergwald

Das Gelände von Bisate war früher landwirtschaftlich genutzt worden. Wilderness begann dort mit der Wiederherstellung eines einheimischen Bergwaldes. Was zunächst wie ein Begleitprojekt zu einer Luxusherberge wirken könnte, ist inzwischen zu einem wesentlichen Bestandteil des Konzepts geworden.

Nach Angaben des Unternehmens wurden seit der Eröffnung mehr als 120.000 einheimische Bäume gepflanzt. Laut Wilderness dokumentierte eine Kamerafalle 2021 erstmals einen Berggorilla auf dem Gelände; auch andere Wildtiere wurden dort inzwischen nachgewiesen. Die Aufforstung soll langfristig Lebensräume am Rand des Nationalparks wiederherstellen und Waldflächen besser miteinander verbinden.

Auch Gäste werden einbezogen. Wer möchte, kann während seines Aufenthalts einen Baum pflanzen. Wichtiger als diese symbolische Handlung ist allerdings die Arbeit, die das ganze Jahr über geleistet wird: Setzlinge werden in Baumschulen gezogen, invasive oder standortfremde Vegetation wird zurückgedrängt und einheimische Arten werden wieder angesiedelt.

Beteiligt daran ist auch die Tuzamurane-Kooperative aus dem benachbarten Bisate. Sie liefert unter anderem Lebensmittel und Handwerksprodukte an die Lodge und stellt Arbeitskräfte für die Aufforstung. Eine von der Kooperative betriebene Baumschule produziert sowohl einheimische Bäume als auch Nutzpflanzen für die lokale Bevölkerung.

Bisate zeigt damit im Kleinen, worum es beim Gorilla-Schutz in Ruanda zunehmend geht: Es reicht nicht aus, die Tiere selbst zu bewachen. Entscheidend sind auch ihr Lebensraum und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Schutzgebiet und den Menschen, die in seiner Umgebung leben.

Warum nicht einfach mehr Tourist*innen?

Berggorillas sind ein Sonderfall im internationalen Tourismus. Die Tiere kommen weltweit nur in zwei Gebieten vor: im Bwindi-Sarambwe-Ökosystem in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo sowie im Virunga-Massiv, das sich über Ruanda, Uganda und die Demokratische Republik Kongo erstreckt. 

1981 wurden im Virunga-Massiv nur noch 242 Berggorillas gezählt. Bei der Zählung von 2015 waren es bereits 604 – also etwa zweieinhalbmal so viele. Zusammen mit den 459 Tieren, die 2018 im Bwindi-Sarambwe-Gebiet erfasst wurden, ergab sich ein weltweiter Bestand von mindestens 1.063 Berggorillas.

Ihre Seltenheit könnte ein einfaches Geschäftsmodell nahelegen: möglichst viele Menschen zu den Gorillas bringen und damit möglichst viel Geld verdienen. Genau das wäre allerdings gefährlich.

Silberrücken der Susa-Familie im Volcanoes National Park in Ruanda.
Ein Silberrücken der Susa-Familie im Volcanoes National Park in Ruanda. (Foto: TKnoxB / Flickr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Berggorillas sind anfällig für menschliche Krankheitserreger. Atemwegsinfektionen gehören zu den besonderen Risiken. Das International Gorilla Conservation Programme warnt deshalb davor, den wirtschaftlichen Erfolg des Tourismus gegen das Wohlergehen der Tiere auszuspielen.

Ruanda begrenzt die Begegnungen deshalb streng. Pro habituierter, also an die Anwesenheit von Menschen gewöhnte Gorillafamilie dürfen höchstens acht Besucher*innen pro Tag teilnehmen, und die Zeit bei den Tieren ist auf eine Stunde beschränkt. Kranke Besucher*innen dürfen nicht zum Trekking aufbrechen.

Damit entsteht ein ökonomisches Problem: Wenn die Zahl der Besucher*innen aus Schutzgründen klein bleiben soll, der Tourismus aber gleichzeitig Ranger*innen, Forschung, Parkmanagement und wirtschaftliche Alternativen rund um den Nationalpark mitfinanzieren soll, muss jeder einzelne Besuch vergleichsweise hohe Einnahmen bringen. Das ist die Logik hinter Ruandas „High Value, Low Volume“-Strategie.

1.500 Dollar für eine Stunde

2017 verdoppelte Ruanda den Preis eines Gorilla-Permits von 750 auf 1.500 US-Dollar. Die Regierung begründete die Entscheidung ausdrücklich mit dem Ziel, den Naturschutz zu finanzieren und gleichzeitig den wirtschaftlichen Nutzen für die Gemeinden rund um den Volcanoes National Park zu erhöhen.

Zehn Prozent der Tourismuseinnahmen der Nationalparks werden heute im Rahmen des Tourism Revenue Sharing Programme in Projekte für Gemeinden rund um die Schutzgebiete investiert. Nach Angaben des Rwanda Development Board flossen in den vergangenen 20 Jahren mehr als 23 Milliarden Ruanda-Franc (rund 14 Millionen Euro nach heutigem Wechselkurs) in fast 1.300 Projekte – unter anderem in Schulen, Gesundheitsversorgung, Wasserversorgung und Einkommensmöglichkeiten.

Das macht einen wichtigen Unterschied: Menschen, die neben einem Nationalpark leben, tragen einen erheblichen Teil der Kosten des Naturschutzes. Land steht nicht für Landwirtschaft zur Verfügung, Wildtiere können Ernten beschädigen und Schutzbestimmungen schränken Nutzungsmöglichkeiten ein. Soll ein Nationalpark langfristig bestehen, muss sein wirtschaftlicher Wert deshalb auch außerhalb seiner Grenzen spürbar werden.

Luxus allein schützt also keinen einzigen Gorilla. Entscheidend ist, ob die Einnahmen tatsächlich Schutzgebiete finanzieren, Lebensräume sichern, Arbeitsplätze schaffen und den angrenzenden Gemeinden zugutekommen.

Ein Modell mit Grenzen

Das macht Ruandas Strategie nicht frei von Widersprüchen. Ein Gorilla-Permit für 1.500 US-Dollar und Lodges, die mehrere tausend Dollar pro Nacht verlangen, schließen einen großen Teil der Reisenden von diesem Erlebnis aus. Naturschutz wird damit teilweise durch einen Tourismus finanziert, den sich nur eine wohlhabende internationale Klientel leisten kann.

Die begrenzte Zahl der Begegnungen dient unmittelbar dem Schutz der Gorillas. Hohe Permit-Preise sollen zugleich ausreichende Einnahmen für Naturschutz und lokale Entwicklung sichern. Die Preise der Luxusherbergen folgen einer zusätzlichen wirtschaftlichen Logik: Ihr Beitrag zum Naturschutz hängt davon ab, welche Schutzmaßnahmen und lokalen Projekte sie tatsächlich finanzieren. 

Das International Gorilla Conservation Programme bringt dieses Spannungsverhältnis auf einen einfachen Nenner: Tourismus ist für die Finanzierung des Gorillaschutzes wichtig, gleichzeitig muss der Kontakt zwischen Menschen und Tieren möglichst gering bleiben.

Bisate treibt diese Logik besonders weit. Die Lodge nimmt nur wenige Gäste auf, verlangt dafür aber einen außergewöhnlich hohen Preis. Gleichzeitig investiert sie nach eigenen Angaben einen Teil der durch den Tourismus ermöglichten Ressourcen in Aufforstung und Projekte mit der benachbarten Bevölkerung. Diese Angaben stammen allerdings überwiegend vom Betreiber selbst und sollten auch als solche verstanden werden.

Fossey und das Paradox des Gorilla-Tourismus

Dian Fosseys Sorge vor dem Tourismus war also keineswegs unbegründet. Noch heute warnen Tierärzt*innen und Naturschutzorganisationen davor, dass menschliche Krankheitserreger für Berggorillas gefährlich werden können.

2024 berichtete das International Gorilla Conservation Programme über Atemwegs-, Haut- und Augeninfektionen bei mehreren Gorillafamilien im Volcanoes National Park und mahnte eine strengere Einhaltung der Besuchsregeln ein.

Doch seit Fosseys Zeit hat sich auch die Vorstellung davon verändert, wie Naturschutz funktionieren kann. Schutz soll heute nicht allein bedeuten, Menschen vom Wald fernzuhalten. Er muss auch wirtschaftliche Perspektiven für die Bevölkerung rund um Schutzgebiete schaffen und genügend Einnahmen erwirtschaften, um Ranger*innen, Forschung und die Erhaltung des Lebensraums langfristig zu finanzieren.

Titelbild: Die Bisate Lodge nahe dem Volcanoes National Park bei Abenddämmerung (Foto: Samuel Ngendahimana / Alamy)