Monument Amazone in Cotonou - Bild: Shutterstock.com

Monument Amazone: Benins neues Wahrzeichen

Wer auf dem Boulevard de la Marina durch Cotonou fährt, kann sie kaum übersehen: Eine riesige Kriegerin erhebt sich über einer weitläufigen Esplanade, das Schwert erhoben, entschlossen nach vorne schreitend. Mit einer Höhe von 30 Metern ist das Monument Amazone eines der auffälligsten Wahrzeichen der Wirtschaftsmetropole Benins – und zugleich Ausdruck eines neuen Umgangs des Landes mit seiner eigenen Geschichte.

Das Monument erinnert an die Agojie, jenes berühmte Frauenkorps des Königreichs Dahomey, das europäischen Beobachtern später als die „Amazonen von Dahomey“ bekannt wurde.

30 Meter hoch und 150 Tonnen schwer

Die Dimensionen des Monuments sind beeindruckend. Die eigentliche Statue erreicht ohne Sockel eine Höhe von 30 Metern und wiegt rund 150 Tonnen. Unter der bronzenen Außenhaut befindet sich eine Metallkonstruktion.

Die dargestellte Kriegerin scheint geradezu aus dem Boden heraus nach vorne zu schreiten. Ein Fuß ruht erhöht auf einem kleinen Hügel, in den Händen trägt sie Waffen. Ihre Haltung vermittelt Entschlossenheit und Kampfbereitschaft.

Das Monument steht auf der Esplanade de l’Amazone am Boulevard de la Marina, unweit des Präsidentenpalastes und des Palais des Congrès. Die großzügig gestaltete Anlage hat sich seit ihrer Eröffnung zu einem beliebten Treffpunkt in Cotonou entwickelt.

Eingeweiht wurde das Monument am 30. Juli 2022 durch Präsident Patrice Talon. Es ist Teil einer umfassenderen Strategie Benins, historische und kulturelle Identität im öffentlichen Raum stärker sichtbar zu machen.

Wer waren die Amazonen von Dahomey?

Hinter der monumentalen Figur steht eine außergewöhnliche Militärgeschichte. Im Königreich Dahomey, das vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen Benin bestand, entwickelte sich ein militärischer Verband, der ausschließlich aus Frauen bestand.

In Benin werden diese Kriegerinnen unter anderem als Agoji bezeichnet. Die Bezeichnung „Amazonen“ stammt dagegen von europäischen Beobachtern, die sich an die weiblichen Kriegerinnen der griechischen Mythologie erinnert fühlten.

König Gezo (links) im Jahr 1851, Zeichnung von Frederick E. Forbes (Bildquelle: Wikipedia, gemeinfrei)

Nach der heute in Benin verbreiteten Geschichtsschreibung reichen die Ursprünge des Frauenkorps bis in die Regierungszeit von Königin Tassi Hangbé zu Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. Unter König Gezo, der von 1818 bis 1858 regierte, wurde die Einheit weiter ausgebaut und zu einem wichtigen Bestandteil der Armee Dahomeys.

Agojie als Teil der Popkultur

Eingang in die Populärkultur haben die Agojie über die Black-Panther-Comics gefunden, als im Jahr 1998 erstmals eine weibliche Eliteeinheit namens Dora Milaje zu sehen war. Diese Einheit spielte auch im Kinofilm Black Panther (2018) eine große Rolle. Mit The Woman King kam 2022 ein fiktiver Historienfilm in die Kinos, der explizit die Geschichte der Agojie verarbeitet.

Die Agojie waren keine zeremonielle Palastgarde. Sie wurden militärisch ausgebildet und nahmen an Feldzügen des Königreichs teil. Im späten 19. Jahrhundert kämpften sie schließlich auch gegen die französischen Kolonialtruppen.

Ihre Geschichte ist allerdings komplexer als das heute populäre Bild mutiger afrikanischer Kriegerinnen. Dahomey war eine expansive Militärmacht, führte Kriege gegen benachbarte Gesellschaften und war über lange Zeit am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt. Auch die Agojie waren Teil dieses militärischen Systems.

Symbol eines neuen Benin

Das Monument erzählt deshalb nicht einfach die Geschichte einer historischen Militäreinheit. Es zeigt vor allem, wie Benin heute auf diese Geschichte blickt.

Die Regierung versteht die Amazone als Symbol für Mut, Tapferkeit und Patriotismus sowie für die historische Bedeutung von Frauen in der Gesellschaft Benins. Sie soll nicht nur an die Kriegerinnen von Dahomey erinnern, sondern auch die Stärke der beninischen Frauen der Gegenwart verkörpern.

Das Monument Amazone will das Selbstbewusstein der Frauen in Benin fördern. (Foto: Sylvaris Studio, Shutterstock.com)

Damit fügt sich das Monument in eine bemerkenswerte kulturelle Neuorientierung des Landes ein. Benin investiert seit einigen Jahren stark in Museen, historische Orte, Kunst und Tourismus. Gleichzeitig versucht das Land, Teile seiner Geschichte neu zu erzählen und stärker aus einer eigenen afrikanischen Perspektive sichtbar zu machen.

Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Kulturerbe. Die Rückgabe von 26 königlichen Kunstwerken und Kulturgütern durch Frankreich im Jahr 2021 wurde in Benin zu einem wichtigen kulturpolitischen Ereignis.

Das Monument Amazone ist vielleicht das sichtbarste Zeichen dieses neuen Selbstverständnisses.

Ein neuer öffentlicher Raum in Cotonou

Auch unabhängig von seiner historischen Bedeutung lohnt sich ein Besuch. Rund um die Statue entstand eine großzügige öffentliche Esplanade, die einen deutlichen Kontrast zum oft hektischen Verkehr Cotonous bildet.

Vor allem am späten Nachmittag und am Abend erwacht der Platz zum Leben. Familien, Spaziergänger und Besucher kommen hierher, während die monumentale Kriegerin über dem Boulevard de la Marina aufragt.

Die Esplanade ist öffentlich zugänglich und laut den offiziellen Besucherinformationen rund um die Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Fotografieren ist erlaubt; für Drohnenaufnahmen ist dagegen eine Genehmigung erforderlich.

Wer fotografieren möchte, sollte möglichst am späten Nachmittag kommen. Dann steht die Sonne tiefer und die bronzene Oberfläche der Statue kommt besonders gut zur Geltung.

Mehr als ein Fotostopp

Auf den ersten Blick ist das Monument Amazone vor allem eines: spektakulär. Die Dimension der Statue macht sie zu einem jener Orte, an denen fast jeder Besucher Cotonous irgendwann stehen bleibt.

Interessant wird der Besuch aber erst durch die Geschichte dahinter.

Die Amazone erzählt von einem mächtigen westafrikanischen Königreich, von außergewöhnlichen Frauen in einer militärischen Männerwelt, von Krieg und Kolonialismus – aber auch davon, wie ein afrikanisches Land im 21. Jahrhundert versucht, seine Vergangenheit neu zu betrachten.

Gerade deshalb ist das Monument Amazone mehr als ein neues Wahrzeichen von Cotonou. Es ist ein guter Ausgangspunkt, um sich mit der Geschichte Benins zu beschäftigen – einer Geschichte, die sich auf einer Reise durch das Land an Orten wie Abomey und Ouidah weiterverfolgen lässt.

Praktische Informationen

Ort: Esplanade de l’Amazone, Boulevard de la Marina, Cotonou
Höhe: 30 Meter ohne Sockel
Gewicht: rund 150 Tonnen
Material: Metallkonstruktion mit Bronzeverkleidung
Eröffnung: 30. Juli 2022
Eintritt: kostenlos
Öffnungszeiten: rund um die Uhr
Beste Besuchszeit: später Nachmittag und früher Abend
Fotografieren: erlaubt; Drohnen nur mit Genehmigung

Titelbild: Omri Eliyahu, Shutterstock.com