Hole in the Wall: Wo das Meer die Küste durchbrach
An der Wild Coast im südafrikanischen Eastern Cape hat das Meer einen mächtigen Felsen durchbrochen. Das „Hole in the Wall“ ist jedoch mehr als ein spektakuläres Naturdenkmal: Mit dem Ort verbindet sich eine alte amaXhosa-Legende. Und auch die jüngere Geschichte Südafrikas ist in dieser Region allgegenwärtig.
Die Brandung des Indischen Ozeans trifft mit großer Kraft auf die felsige Küste. Direkt vor der Mündung des Mpako-Flusses erhebt sich ein Felsmassiv aus dem Wasser. In seiner Mitte öffnet sich ein gewaltiger natürlicher Durchgang: das Hole in the Wall, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Wild Coast im Eastern Cape.
Über Millionen von Jahren formten die Wellen das Gestein und schufen schließlich den markanten Durchbruch. Die Formation besteht aus Schiefer und Sandstein, über denen härteres vulkanisches Doleritgestein liegt. Doch die geologische Erklärung ist nur eine Geschichte, die über diesen Ort erzählt wird.
Der „Ort des Klangs“
In isiXhosa heißt das Gebiet esiKhaleni, was mit „Ort des Klangs“ übersetzt werden kann. Der Name wird mit dem mächtigen Geräusch der Brandung in Verbindung gebracht, die bei entsprechendem Wellengang gegen und durch den Felsen schlägt.
Eine überlieferte amaXhosa-Legende erzählt eine andere Geschichte.
Demnach lebte einst eine junge Frau in einem Dorf nahe einer Lagune, die durch eine Felswand vom Meer getrennt war. Sie verliebte sich in ein Wesen aus dem Meer. Doch ihr Vater wollte die Verbindung nicht akzeptieren.
Der Geliebte kehrte daraufhin zu seinem Volk im Meer zurück und bat um Hilfe. Der Legende zufolge durchbrachen die Meereswesen gemeinsam mit einem riesigen Fisch die Felswand. Durch die entstandene Öffnung gelangten sie zur jungen Frau. Sie verschwand mit ihrem Geliebten ins Meer und wurde danach nicht mehr gesehen.
In dieser Version der Überlieferung sind es die Stimmen und Gesänge der Meereswesen, die dem Ort seinen Namen esiKhaleni geben.
Wie bei mündlich überlieferten Geschichten gibt es unterschiedliche Fassungen. Die Legende sollte daher nicht als historische Erklärung für die Entstehung der Felsformation verstanden werden. Sie zeigt vielmehr, welche kulturelle Bedeutung Landschaft und Meer in den Erzähltraditionen der Region besitzen.
An der Wild Coast
Das Hole in the Wall liegt südlich von Coffee Bay an der Wild Coast, einem rund 300 Kilometer langen Küstenabschnitt zwischen East London und der Grenze zu KwaZulu-Natal. Steile Küsten, Flussmündungen und weitgehend ländlich geprägte Gebiete bestimmen die Landschaft.

Die Region gehört historisch und kulturell eng zur Geschichte der amaXhosa und der Thembu. Zugleich führt eine Reise durch diesen Teil des Eastern Cape an Orte, die untrennbar mit der politischen Geschichte Südafrikas verbunden sind.
Die Heimatregion Nelson Mandelas
Nur wenige Persönlichkeiten stehen dafür so sehr wie Nelson Rolihlahla Mandela. Der spätere südafrikanische Präsident und Anti-Apartheid-Kämpfer wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo im Eastern Cape geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er überwiegend im nahe gelegenen Qunu, wo er auch die Grundschule besuchte. Nach dem Tod seines Vaters kam er nach Mqhekezweni an den Hof des Thembu-Regenten Jongintaba Dalindyebo.

Das Eastern Cape war damit nicht einfach Mandelas Geburtsort. Die ländlichen Gemeinden und politischen Traditionen der Region prägten seine frühen Lebensjahre. In seinen Erinnerungen spielten Qunu und seine Kindheit dort immer wieder eine wichtige Rolle. Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis 1990 kehrte Mandela nach Qunu zurück und ließ dort ein Haus errichten. Auch seine letzte Ruhestätte befindet sich in Qunu.
Mandela-Museum in Mthatha
Rund 30 Kilometer von Qunu entfernt liegt die Stadt Mthatha. Im historischen Bhunga Building befindet sich dort ein Standort des Nelson Mandela Museum. Das Museum zeichnet Mandelas Lebensweg vom politischen Aktivisten und Gefangenen über den Verhandlungsführer bis zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten Südafrikas nach. Dabei geht es nicht nur um die bekannte politische Ikone, sondern auch um die Werte und Erfahrungen, die Mandela geprägt haben.

Das Museum versteht sich dabei ausdrücklich nicht als bloße Gedenkstätte. Mandela selbst wollte, dass es ein lebendiger Ort wird, der seine Werte vermittelt und zugleich zur Entwicklung der Region beiträgt.
Bei einem Besuch an der Wild Coast lassen sich unterschiedliche Ebenen südafrikanischer Geschichte erleben: Landschaft und Geologie, mündlich überlieferte Erzählungen und die Erinnerung an einen der bedeutendsten Protagonisten im Kampf gegen die Apartheid.
Fakten: Hole in the Wall
Ort: Wild Coast, Eastern Cape, Südafrika
Lokaler Name: esiKhaleni („Ort des Klangs“)
Lage: An der Mündung des Mpako-Flusses, südlich von Coffee Bay
Besonderheit: Natürliche Öffnung in einem vorgelagerten Felsmassiv, durch Meereserosion entstanden
Kultureller Kontext: Mit dem Hole in the Wall ist eine überlieferte amaXhosa-Legende über eine junge Frau und ein Wesen aus dem Meer verbunden.
Nächste größere Stadt: Mthatha
Anreise: Das Hole in the Wall ist über Coffee Bay beziehungsweise die umliegenden Orte der Wild Coast erreichbar.
