Hole in the Wall: Wo das Meer die Küste durchbrach
An der Wild Coast im südafrikanischen Eastern Cape hat das Meer einen mächtigen Felsen durchbrochen. Das „Hole in the Wall“ ist jedoch mehr als eine spektakuläre Felsformation: Mit dem Ort verbindet sich eine alte, bei den amaXhosa überlieferte Legende. Und auch die jüngere Geschichte Südafrikas ist in dieser Region allgegenwärtig.
Die Brandung des Indischen Ozeans trifft mit großer Kraft auf die felsige Küste. Direkt vor der Mündung des Mpako-Flusses erhebt sich ein Felsmassiv aus dem Wasser. In seiner Mitte öffnet sich ein gewaltiger natürlicher Durchgang: das Hole in the Wall, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Wild Coast im Eastern Cape.
Über lange Zeiträume haben Wellen und Brandung das Gestein geformt und schließlich den markanten Durchbruch geschaffen. Doch die geologische Entstehung ist nur eine Geschichte, die über diesen besonderen Ort erzählt wird.

Der „Ort des Klangs“
In isiXhosa heißt das Gebiet esiKhaleni, was häufig mit „Ort des Klangs“ übersetzt wird. Der Name wird mit dem mächtigen Geräusch der Brandung in Verbindung gebracht, die bei entsprechendem Wellengang gegen und durch den Felsen schlägt.
Eine bei den amaXhosa überlieferte Legende erzählt eine andere Geschichte.
Demnach lebte einst eine junge Frau in einem Dorf nahe einer Lagune, die durch eine Felswand vom Meer getrennt war. Sie verliebte sich in ein Wesen aus dem Meer. Doch ihr Vater wollte die Verbindung nicht akzeptieren.
Der Geliebte kehrte daraufhin zu seinem Volk im Meer zurück und bat um Hilfe. Der Legende zufolge durchbrachen die Meereswesen gemeinsam mit einem riesigen Fisch die Felswand. Durch die entstandene Öffnung gelangten sie zur jungen Frau. Sie verschwand mit ihrem Geliebten im Meer und wurde danach nicht mehr gesehen.
In einer Version der Überlieferung sind es die Stimmen und Gesänge der Meereswesen, die dem Ort seinen Namen esiKhaleni geben. Wie bei vielen mündlich überlieferten Geschichten gibt es aber unterschiedliche Fassungen der Legende.
An der Wild Coast
Das Hole in the Wall liegt südlich von Coffee Bay an der Wild Coast. Steile Küsten, Flussmündungen, grüne Hügel und weitgehend ländlich geprägte Gebiete bestimmen diesen Teil des Eastern Cape.

Die Region ist historisch und kulturell eng mit den amaXhosa und insbesondere den Thembu verbunden. Damit führt eine Reise entlang der Wild Coast zugleich in jene Landschaft, in der Nelson Mandela aufwuchs und die ihn ein Leben lang prägte.
Die Heimatregion Nelson Mandelas
Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo im Eastern Cape geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er überwiegend im nahe gelegenen Qunu, wo er auch die Grundschule besuchte. Nach dem Tod seines Vaters kam er nach Mqhekezweni an den Hof des Thembu-Regenten Jongintaba Dalindyebo.

Seine Kindheit in Qunu und seine Jahre am Hof des Thembu-Regenten prägten Mandela nachhaltig. In seiner Autobiografie erinnerte er sich immer wieder an das ländliche Leben seiner Kindheit, an die Landschaft und die gesellschaftlichen Traditionen der Thembu.
Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis 1990 kehrte Mandela regelmäßig nach Qunu zurück und ließ dort ein Haus errichten. Auch seine letzte Ruhestätte befindet sich in Qunu.
Mandela-Museum in Mthatha
Rund 30 Kilometer von Qunu entfernt liegt die Stadt Mthatha. Im historischen Bhunga Building befindet sich dort ein Standort des Nelson Mandela Museum. Das Museum zeichnet Mandelas Lebensweg vom politischen Aktivisten und Gefangenen über den Verhandlungsführer bis zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten Südafrikas nach.

Das Museum versteht sich dabei ausdrücklich nicht als bloße Gedenkstätte. Mandela selbst wollte, dass es ein lebendiger Ort wird, der seine Werte vermittelt und zugleich zur Entwicklung der Region beiträgt.
Dabei versteht sich das Museum nicht nur als Gedenkstätte. Es soll auch jene Werte vermitteln, mit denen Mandela sein politisches Wirken verband, und zugleich einen Beitrag zur Entwicklung der Region leisten.
So steht das Hole in the Wall exemplarisch für eine Region, in der Landschaft und Geschichte kaum voneinander zu trennen sind. Die Brandung hat ihre Spuren im Fels hinterlassen, die Menschen ihre Geschichten in der Landschaft – von den mündlichen Überlieferungen der amaXhosa bis zu den Erinnerungsorten Nelson Mandelas.
Fakten: Hole in the Wall
Ort: Wild Coast, Eastern Cape, Südafrika
Lokaler Name: esiKhaleni („Ort des Klangs“)
Lage: An der Mündung des Mpako-Flusses, südlich von Coffee Bay
Besonderheit: Natürliche Öffnung in einem vorgelagerten Felsmassiv, durch Meereserosion entstanden
Nächste größere Stadt: Mthatha
Anreise: Das Hole in the Wall ist über Coffee Bay beziehungsweise die umliegenden Orte der Wild Coast erreichbar.
