Kilimanjaro: Acht Routen auf das Dach Afrikas
Auf den 5.895 Meter hohen Kilimanjaro führen acht Hauptrouten – doch nicht jeder Weg bietet die gleichen Chancen, den Uhuru Peak tatsächlich zu erreichen. Länge, Höhenprofil und Zeit zur Akklimatisation unterscheiden sich erheblich. Wir zeigen, welcher Weg für wen geeignet ist und warum am höchsten Berg Afrikas manchmal der längere Weg der bessere ist.
„Hurra, hurra, hurra!“ Dreimal hallte der Jubelruf über den schneebedeckten Gipfel des Kilimanjaro, als der deutsche Geograf Hans Meyer und der österreichische Bergsteiger Ludwig Purtscheller am 6. Oktober 1889 gegen 10:30 Uhr ihr Ziel erreicht hatten. Meyer pflanzte eine mitgebrachte deutsche Fahne auf und taufte den höchsten Punkt Afrikas im Geist der damaligen Kolonialzeit „Kaiser-Wilhelm-Spitze“. Für Purtscheller war der Gipfelsieg zugleich ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk: Der Salzburger wurde an diesem Tag 40 Jahre alt.
Zweimal war Meyer zuvor am Kilimanjaro gescheitert. Die extrem beschwerliche, aber letztlich erfolgreiche erste dokumentierte Besteigung des höchsten Gipfels schilderte der Spross der bekannten Leipziger Verlegerfamilie später in seinem Buch „Ostafrikanische Gletscherfahrten“.
Meyer und Purtscheller hätten sich wohl nicht träumen lassen, dass sich mehr als 130 Jahre nach ihrem äußerst strapaziösen Aufstieg jedes Jahr Zehntausende Menschen auf den Weg zum 5.895 Meter hohen Uhuru Peak machen. Häufig ist von rund 50.000 Gipfelstürmer*innen jährlich die Rede. Zur Erfolgsquote gibt es unterschiedliche Angaben; rund 30.000 Menschen dürften den höchsten Punkt Afrikas tatsächlich erreichen.

Neben der persönlichen Konstitution ist für eine erfolgreiche Besteigung des Kilimanjaro die Wahl der richtigen Route von großer Bedeutung. Die Wege auf das Dach Afrikas unterscheiden sich in nicht nur in Länge und Landschaft, sondern sind vor allem in ihrem Höhenprofil verschieden. Prinzipiell gilt: Je mehr Zeit der Körper zur Akklimatisation hat, desto größer ist die Chance, den Uhuru Peak zu erreichen.
Je nach Zählweise werden am Kilimanjaro unterschiedliche Routenzahlen genannt. Wir stellen hier die acht heute üblicherweise als eigenständige Aufstiegsrouten angebotenen Varianten vor. Dazu beschreiben wir die Western Breach, der ab dem Lava Tower einen alternativen Weg zum Uhuru Peak bietet, aber nicht als eigenständige Route betrachtet werden kann. Die Mweka Route fehlt in unserer Aufstellung, da sie heute in erster Linie für den Abstieg gewählt wird. Einzelne Wege teilen sich längere Abschnitte oder können miteinander kombiniert werden.
1. Marangu Route – der Klassiker mit Hütten
Die Marangu Route ist die traditionsreichste Route auf den Kilimanjaro. Sie beginnt an der Südostseite des Berges und unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von allen anderen Wegen: Übernachtet wird in einfachen Berghütten statt in Zelten.
Der Weg steigt vergleichsweise gleichmäßig an. Durch den Regenwald geht es zur Mandara Hut, weiter zur Horombo Hut und schließlich durch die zunehmend karge Hochgebirgslandschaft zur Kibo Hut. Von dort beginnt in der Nacht der lange Gipfelanstieg über den Gilman’s Point zum Uhuru Peak.

Der vermeintlich einfache Charakter der Marangu Route kann allerdings täuschen. Häufig wird sie in nur fünf Tagen angeboten. Damit bleibt wenig Zeit zur Akklimatisierung. Wer sich für Marangu entscheidet, sollte daher nach Möglichkeit die sechstägige Variante mit zusätzlichem Akklimatisierungstag wählen.
Charakter: klassisch und vergleichsweise komfortabel
Dauer: meist 5–6 Tage
Übernachtung: Hütten
Geeignet für: alle, die nicht im Zelt schlafen möchten
Nachteil: bei Kurzprogramm wenig Zeit zur Akklimatisierung
2. Machame Route – spektakulär und beliebt
Die Machame Route gehört zu den beliebtesten Wegen auf den Kilimanjaro – und das nicht ohne Grund. Landschaftlich bietet sie beinahe das gesamte Spektrum des Berges.
Nach dem Start im üppigen Bergregenwald erreicht man die offene Landschaft des Shira-Plateaus. Später führt die Route zum rund 4.600 Meter hohen Lava Tower. Von dort steigt man wieder zum tiefer gelegenen Barranco Camp ab – ein klassisches Beispiel für das Prinzip „climb high, sleep low“, das die Akklimatisierung unterstützt.

Zu den eindrucksvollsten Passagen gehört die Barranco Wall. Von unten sieht die steile Felswand beinahe unüberwindbar aus. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um eine Kletterroute. Mit Händen und Füßen geht es stellenweise über die Felsen hinauf, ehe sich der Weg Richtung Karanga und Barafu fortsetzt.
Der Nachteil der Machame Route ist ihre Popularität: In der Hauptsaison kann es auf einzelnen Abschnitten und in den Camps ziemlich voll werden.
Charakter: abwechslungsreich und landschaftlich spektakulär
Dauer: meist 6–7 Tage
Übernachtung: Zelte
Geeignet für: fitte Wanderer und Kilimanjaro-Einsteiger
Unser Tipp: wenn möglich sieben statt sechs Tage einplanen
3. Lemosho Route – vielleicht der schönste Weg
Wer genügend Zeit hat, findet in der Lemosho Route eine der attraktivsten Möglichkeiten, den Kilimanjaro zu besteigen. Sie nähert sich dem Berg von Westen und beginnt deutlich ruhiger als Machame oder Marangu.
Die ersten Etappen führen durch ursprünglichen Bergwald und hinauf auf das gewaltige Shira-Plateau – den Rest eines uralten Vulkankraters. Erst später vereinigt sich Lemosho mit der Machame Route. Dann folgen auch hier Lava Tower, Barranco Wall, Karanga und Barafu.

Der große Vorteil liegt in der Länge des Aufstiegs. Sieben oder besser acht Tage geben dem Körper mehr Zeit, sich an die Höhe zu gewöhnen. Gleichzeitig erlebt man sehr unterschiedliche Landschaftszonen.
Ganz einsam bleibt allerdings auch Lemosho nicht: Sobald die Route auf Machame trifft, werden Wege und Camps deutlich belebter.
Charakter: landschaftlich besonders vielfältig
Dauer: meist 7–8 Tage
Übernachtung: Zelte
Geeignet für: Erstbesteiger, Fotografen und Genießer
Pluspunkt: sehr gutes Verhältnis aus Landschaft, Akklimatisierung und Dauer
4. Shira Route – der hohe Einstieg
Die Shira Route ähnelt der Lemosho Route, beginnt jedoch deutlich höher. Zunächst fährt man zum Londorossi Gate auf der Westseite des Kilimanjaro. Dort werden die Parkformalitäten erledigt.
Anschließend geht es mit einem Geländewagen weiter durch den Nationalpark hinauf zum Morum Barrier Gate auf rund 3.400 m. Erst dort beginnt die Wanderung über das Shira Plateau Richtung Shira 1 Camp.

Damit spart man zwar Zeit und einige Höhenmeter zu Fuß – aus Sicht der Akklimatisierung ist das aber nicht unbedingt ein Vorteil. Der Körper wird sehr rasch mit großer Höhe konfrontiert. Wer bereits gut akklimatisiert ist, kann die Shira Route reizvoll finden. Für Reisende, die unmittelbar aus dem Tiefland kommen, bietet Lemosho meist den harmonischeren Einstieg.
Landschaftlich ist Shira dennoch großartig. Das weite Hochplateau mit dem Kibo-Massiv am Horizont gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften des Kilimanjaro.
Charakter: einsam und landschaftlich großartig
Dauer: etwa 7 Tage
Übernachtung: Zelte
Geeignet für: Bergsteiger mit Erfahrung in großer Höhe
Nachteil: sehr schneller Einstieg in große Höhen
Western Breach – der direkte Weg durch die Westflanke
Die Western Breach ist keine eigenständige Route vom Fuß des Kilimanjaro zum Gipfel. Sie ist vielmehr eine alternative Gipfelpassage, die sich mit verschiedenen westlichen und südwestlichen Aufstiegsrouten kombinieren lässt. Wer über Lemosho, Shira, Machame oder Umbwe zum Lava Tower gelangt, kann sie grundsätzlich als alternative Gipfelpassage wählen.
Bei dieser Variante verlässt man beim Lava Tower die üblichen Wege Richtung Barranco und Barafu und steigt stattdessen unmittelbar durch die markante Bresche in der Westflanke des Kibo zum Krater auf.

Vom Lava Tower auf rund 4.600 Metern führt der Weg zunächst zum Arrow Glacier Camp auf etwa 4.870 Metern. Dort beginnt der eigentliche Western-Breach-Aufstieg. Durch steiles, teilweise loses vulkanisches Gelände geht es unmittelbar unterhalb der mächtigen Kraterwand nach oben. Nach rund 1.000 Höhenmetern erreicht die Route auf 5.726 Metern den Kraterrand. Anders als die klassischen Gipfelwege passiert sie dabei weder Gilman’s Point noch Stella Point. Stattdessen gelangt man direkt in den Kibo-Krater und kann beim Crater Camp auf rund 5.750 Metern übernachten, bevor es weiter zum Uhuru Peak geht.
Gerade diese direkte Linienführung macht die Western Breach außergewöhnlich – aber auch anspruchsvoll. Die Passage ist steiler und technisch schwieriger als der normale Gipfelanstieg über Barafu oder Kibo Hut. Hinzu kommt ein erhebliches Steinschlagrisiko. Im Januar 2006 kamen bei einem Felssturz in der Western Breach drei Bergsteiger ums Leben; die Route wurde daraufhin vorübergehend geschlossen und später mit verändertem Verlauf wieder geöffnet. Sie sollte daher nur mit einem erfahrenen, entsprechend qualifizierten Veranstalter begangen werden.
5. Rongai Route – die stille Nordseite
Fast alle klassischen Kilimanjaro-Routen beginnen südlich oder westlich des Berges. Die Rongai Route ist die Ausnahme: Sie nähert sich dem Kibo von Norden, nahe der Grenze zu Kenia.
Dadurch zeigt sich der Kilimanjaro von einer völlig anderen Seite. Die Landschaft ist trockener und offener, die Route deutlich weniger frequentiert. Gerade wer dem Trubel der populären Wege entgehen möchte, findet hier eine interessante Alternative.

Ein weiterer Reiz liegt im Wechsel der Landschaften: Der Aufstieg erfolgt über die Nordseite, der Abstieg über Marangu im Südosten. Man durchquert den Berg also gewissermaßen.
Weil die Nordseite im Regenschatten des Kilimanjaro liegt, gilt Rongai zudem als interessante Option in feuchteren Jahreszeiten. Dafür bietet die Route weniger Möglichkeiten für ausgeprägte „climb high, sleep low“-Etappen als etwa Machame oder Lemosho.
Charakter: ruhig, trocken und abgeschieden
Dauer: meist 6–7 Tage
Übernachtung: Zelte
Geeignet für: Wanderer, die Ruhe suchen
Besonderheit: einziger klassischer Aufstieg von Norden
6. Umbwe Route – steil und direkt
Die Umbwe Route ist nichts für Kilimanjaro-Neulinge. Sie gilt als der steilste und direkteste der klassischen Aufstiege.
Schon in den ersten Tagen gewinnt man rasch an Höhe. Der Weg führt über schmale Bergrücken durch den Wald und anschließend direkt in die Hochgebirgszone. Landschaftlich ist das spektakulär, für die Höhenanpassung jedoch ungünstiger als ein langsamerer Anstieg.

Umbwe war früher vor allem bei erfahrenen Bergsteigern beliebt, die einen möglichst direkten Zugang suchten. Heute wird die Route deutlich seltener gewählt. Wer zum ersten Mal einen Berg dieser Höhe besteigt, ist mit Lemosho, Machame oder dem Northern Circuit in der Regel besser beraten.
Charakter: steil, direkt und anspruchsvoll
Dauer: meist etwa 6 Tage
Übernachtung: Zelte
Geeignet für: sehr erfahrene und höhenerprobte Bergsteiger
Nachteil: schneller Höhengewinn und damit schwierige Akklimatisierung
7. Northern Circuit – der lange Weg zum Gipfel
Wer Zeit mitbringt und möglichst viel vom Kilimanjaro erleben möchte, sollte den Northern Circuit genauer ansehen. Mit rund neun Tagen ist er der längste der etablierten Aufstiegswege.
Die Route beginnt im Westen ähnlich wie Lemosho, schwenkt dann aber nach Norden. Statt direkt zur stark frequentierten Südseite zu ziehen, umrundet man einen großen Teil des Kibo. Auf der abgelegenen Nordflanke sind wesentlich weniger Bergsteiger unterwegs.

Der entscheidende Vorteil ist die Zeit. Der Körper kann sich über viele Tage an die zunehmende Höhe gewöhnen. Deshalb gilt der Northern Circuit als eine der Routen mit den günstigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Akklimatisierung.
Der Preis dafür: mehr Tage am Berg bedeuten höhere Kosten. Außerdem legt man mehr Kilometer zurück. Wer den Kilimanjaro jedoch nicht nur „abhaken“, sondern als mehrtägige Hochgebirgsreise erleben möchte, findet hier eine außergewöhnliche Route.
Charakter: lang, ruhig und intensiv
Dauer: meist 8–9 Tage
Übernachtung: Zelte
Geeignet für: alle, die Zeit und Budget mitbringen
Pluspunkt: viel Zeit zur Akklimatisierung und wenig Betrieb auf der Nordseite
8. Kilema Route – mit dem Mountainbike auf den Kili
Die Kilema Route unterscheidet sich grundlegend von den klassischen Aufstiegswegen auf den Kilimanjaro: Sie wurde für Mountainbiker eingerichtet und ist damit die außergewöhnlichste Möglichkeit, sich dem höchsten Berg Afrikas zu nähern.
Ausgangspunkt ist das Kilema Gate an der Südostseite des Massivs. Von dort führt eine Piste durch Bergwald und Moorland hinauf in Richtung Horombo Hut. Die Strecke zwischen Kilema Gate und Horombo dient zugleich als Versorgungs- und Rettungsstraße.

Oberhalb von Horombo wird das Gelände zunehmend karg. Über den weiten Sattel zwischen Mawenzi und Kibo führt die Route weiter zur Kibo Hut auf rund 4.700 Metern. Je nach Gelände muss das Rad dabei immer wieder geschoben oder getragen werden. Zebra Rocks werden häufig im Rahmen einer Akklimatisierungstour von Horombo besucht, liegen aber nicht zwingend auf der direkten Hauptlinie zum Kibo.
Der Gipfelanstieg folgt schließlich dem östlichen Kibo-Aufstieg: von der Kibo Hut über Hans Meyer Cave zum Gilman’s Point am Kraterrand und anschließend weiter zum Uhuru Peak auf 5.895 Metern.
Wie viel davon tatsächlich gefahren wird, unterscheidet sich erheblich zwischen den angebotenen Touren: Manche Veranstalter beschreiben den Abschnitt oberhalb Kibo als Fußaufstieg, andere lassen die Fahrräder bis Gilman’s Point tragen und ermöglichen Abschnitte am Kraterrand auf dem Rad. Kilema ist daher treffender als Bike-and-Hike-Route zu verstehen als als durchgehend fahrbare Mountainbike-Strecke
Die acht Kilimanjaro-Routen im Vergleich
| Route | Strecke ca. | Start ca. | Übliche Dauer |
|---|---|---|---|
| Marangu Route | 64–72 km | 1.870 m | 5–6 Tage |
| Machame Route | 62 km | 1.800 m | 6–7 Tage |
| Lemosho Route | 70 km | 2.250 m | 7–8 Tage |
| Shira Route | ca. 56 km | 3.400 m | 6–7 Tage |
| Rongai Route | ca. 73–79 km | 1.950 m | 6–7 Tage |
| Umbwe Route | ca. 53 km | 1.600 m | 5–6 Tage |
| Northern Circuit | ca. 90–98 km | 2.250 m | 8–9 Tage |
| Kilema Route | ca. 63 km | ca. 1.400 m | ca. 6 Tage |
Die Angaben sind Näherungswerte und können je nach konkretem Routenverlauf, Campfolge und Messmethode variieren.
Meyer und Purtscheller: Die Besteigung von 1889
Als Hans Meyer und Ludwig Purtscheller am 6. Oktober 1889 den höchsten Punkt des Kilimanjaro erreichten, lag bereits eine lange und aufwendige Expedition hinter ihnen. Meyer hatte den Berg schon 1887 zu besteigen versucht, war aber am Eis des Kibo gescheitert.
Für seinen dritten Versuch holte er deshalb den erfahrenen Salzburger Alpinisten Ludwig Purtscheller ins Team. Am 28. September 1889 begann die eigentliche Bergexpedition; am 6. Oktober gegen 10:30 Uhr standen Meyer und Purtscheller schließlich am höchsten Punkt Afrikas.

Der Aufstiegsweg von Meyer und Purtscheller entspricht in weiten Teilen der heutigen Marangu Route, allerdings lassen sich die Voraussetzungen kaum vergleichen. Statt Hütten gab es ein ausgeklügeltes System aus Lagern und vorgeschobenen Depots. Lebensmittel, Brennholz und Wasser wurden von einheimischen Trägern nach oben gebracht.
Meyer und Purtscheller richteten schließlich auf dem Sattel zwischen Kibo und Mawenzi ein Hochlager ein. Diese Strategie erlaubte ihnen mehrere Gipfelversuche, ohne jedes Mal weit ins Tal zurückkehren zu müssen. Insgesamt verbrachten sie während ihrer Forschungen 16 Tage oberhalb von rund 4.570 Metern.

Der erste ernsthafte Gipfelversuch begann am 3. Oktober um 2:30 Uhr. Meyer und Purtscheller stiegen über die Südostflanke des Kibo auf. Oberhalb von etwa 5.200 Metern trafen sie auf den damals wesentlich mächtigeren Ratzel-Gletscher. Im steilen Eis mussten sie mit dem Pickel Stufen schlagen – teilweise waren rund 20 Schläge für eine einzige Stufe notwendig. Sie kamen bis nahe an den Kraterrand, mussten aber erschöpft umkehren.
Drei Tage später versuchten sie es erneut. Die zuvor geschlagenen Eisstufen waren noch vorhanden und erleichterten den Aufstieg erheblich. Am 6. Oktober 1889, ausgerechnet an Purtschellers 40. Geburtstag, erreichten die beiden den Kraterrand und gingen von dort weiter zum höchsten Punkt. Meyer nannte ihn „Kaiser-Wilhelm-Spitze“; heute trägt er den Namen Uhuru Peak (5.895 m).
Die Rolle afrikanischer Begleiter
Hinter Hans Meyer und Ludwig Purtscheller stand eine größere afrikanische Unterstützungsstruktur mit Trägern, Köchen und lokalen Begleitern. Eine Darstellung nennt zwei lokale Vorarbeiter, neun Träger, einen Koch und einen von Chief Mareale gestellten Führer.
Häufig wird heute außerdem der Chagga Yohani Kinyala Lauwo als einheimischer Führer der Besteigung genannt. Diese Überlieferung ist jedoch historisch umstritten. In Purtschellers eigener Darstellung heißt der Mann, der Meyer und Purtscheller bis zum Hochlager auf dem Sattel begleitete, Muini (Mwini) Amani aus Pangani. Er half dort insbesondere bei Versorgung, Wasser und Brennholz; zum eigentlichen Gipfel gingen Meyer und Purtscheller allein weiter.
Titelbild: Wanderer auf dem Weg zum Kibo, dem höchsten der drei Vulkanmassive des Kilimanjaro. (Foto: ZHOU-PIC, Shutterstock.com)
